Öl oder Whisky?
Als „Expatriate“ in Aberdeen

Teil 3: von Clans, Tartans und Bagpipes  

Blickt man in die schottische Geschichte zurück, so ist diese hauptsächlich durch einen Dauerzwist mit den Engländern geprägt. Daraus begründet sich ein sehr stark ausgeprägtes schottisches Nationaldenken und die relativ große Bedeutung historischer Nationalmonumente bzw. Traditionen. Man sollte sich hüten, einen Schotten als Engländer zu bezeichnen. Ein Schotte ist Schotte, politisch bedingt auch Brite, aber niemals Engländer.

Von Clans, Tartans und Bagpipes
Typisch schottisch sind die sog. Clans; Großfamilien, die vom Oberhaupt, dem Chief, geführt wurden. Es handelte sich um eine Art patriarchalischer Monarchie, die im 13. Jahrhundert ihre Blütezeit hatte. Zentrum ist das Familienschloss, in dem sich heute, vor allem im Hochland, oft eigene Clan-Museen befinden. Hieß ein Clanchief Donald, dann wurde sein Sohn Macdonald (gälisch Mac = Sohn) genannt, und als später Familiennamen eingeführt wurden, hieß folgerichtig die ganze Familie Macdonald. Es gab aber auch einflussreiche Clans, die die Vorsilbe Mac nicht annahmen, wie z.B. die Stuarts, Douglas, Murrays etc.
Der Schottenrock, der Kilt, ist das traditionelle Kleidungsstück der Hochlandclans, und wurde schon vor mehr als 1000 Jahren getragen. Nach den Jakobiteraufständen war der Kilt 1745 offiziell verboten worden, er wurde erst 1822 unter Georg IV. wieder zugelassen. Unter dem Schottenrock trugen wohlhabende Schotten Strumpfhosen, arme Bauern meist nichts. Zum Kilt gehört außerdem immer ein gleich gemustertes Umhängetuch, das Plaid.
Von zeitgenössischer Malerei kann man ableiten, dass es vor 1745 keine typischen "Familientartans" gegeben hat. Heute dagegen hat jeder Clan ein spezielles Muster (über 600,
9 davon im Bild links), das als Tartan bezeichnet wird. Aber eigentlich ist Tartan die Bezeichnung für einen groben Wollstoff. Auch heute ist der Schottenrock ein gar nicht so selten zu sehendes Kleidungsstück; er wird auch von jungen Schotten gern zu festlichen Anlässen getragen.
Der Dudelsack ("bagpipe") war ursprünglich eine Soloinstrument. Da die Schotten aber immer zu Dudelsackmusik in die Schlacht zogen, entwickelten sich allmählich die heutigen Regimentskapellen.
Die besten Gelegenheiten, viele Kilts, Tartans und Bagpipes zu sehen, ergeben sich bei den zahlreichen Hochlandtreffen und -spielen, z.B. in Aberdeen, Aboyne, Braemar und vielen anderen Orten. Das Royal Highland Gathering von Braemar ist wohl das berühmteste. Dort werden u.a. das traditionelle Hammer- und Baumstammwerfen vorgeführt.

WAS WÄRE SCHOTTLAND OHNE WHISKY?
Scotch, d.h. der Whisky, erfordert von jedem interessierten Neuankömmling ein umfangreiches und zeitraubendes Forschungsprogramm. Bevor ich nach Schottland kam, hatte ich von einigen wenigen Sorten gehört, inzwischen weiß ich dass es alleine fast hundert Single Malt Whiskies gibt, die aus nur einer Brennerei stammen dürfen.
Beispiele sind Glenfiddich, Glenlivet, Balvenie, Auchentoshan, Edradour, Glengoyne, Bunnahabhain, Laphroaig usw. Da kaum ein Nicht-Schotte diese Namen aussprechen kann, findet man in deutschen Läden häufiger die sog. blended Whiskies, d.h. Verschnitte, zu denen z.B. Dimple, Chivas Regal, Johnny Walker, Black & White usw. zählen.
Der Name Whisky ist eine Verballhornung des gälischen "uisge beatha", was "Wasser des Lebens" bedeutet. Kein Wunder übrigens, dass der Whisky in Schottland erfunden wurde. Gerstenbier, eine Vorstufe, hat sicherlich eine noch ältere Tradition als der Whisky, aber weil es in Schottland zu kalt für Hopfen ist, fehlte dem Gerstenbier der für die Lagerfähigkeit verantwortliche Bestandteil. Außerdem ergeben die in Schottland heimischen Hefen ein eher widerliches Gesöff. Dieses war nur durch Brennen in eine genießbare Form zu überführen. Die Legende sagt, dass der heilige St. Patrick die Kunst des Brennens im 5. Jahrhundert aus Deutschland (!!!) nach Irland und Westschottland brachte.
Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über das Brennen von Whisky finden sich 1494, als Pater John Corr (ein Mönch, wer sollte es auch sonst gewesen sein?!) Gerste für die Herstellung des Lebenswassers kaufte.
Grundsätzlich muss man zwei Arten des schottischen Whiskys unterscheiden. Der preiswerte, aus Malz- und Kornbrand verschnittene (blended) Whisky wird nur z.T. aus gemalzter Gerste hergestellt, er kann auch große Mengen Alkohol aus anderem Getreide, wie z.B. Roggen oder Mais, enthalten. (Irischer Whisky ist ein reiner Kornwhisky.) Die teureren Malz-Whisky oder "Single Malts" werden nur aus gemalzter Gerste hergestellt und stammen stets aus nur einer einzigen Brennerei.
Der Name "Scotch" ist übrigens für den Whisky reserviert, die Schotten selbst sind "Scots", und schottisch ist "scottish".
Wer in kürzester Zeit möglichst viele Whiskysorten probieren möchte, muss dem ,'Whisky-Trail" folgen, einer 110 km langen Touristenstraße, an der zahlreiche namhafte Brennereien liegen, denn etwa 60 der ca. 110 schottischen Whisky-Brennereien befinden sich Grampian.
(siehe auch die Whisky-Seite)

WOCHENENDAUSFLÜGE
Eigentlich ist mein Aberdeen-Bericht an dieser Stelle beendet, aber vielleicht sollten doch noch zwei oder drei Möglichkeiten beschrieben werden, die man für Wochenendausflüge hat:

LOCH NESS
Mit einer Länge von ca. 35 km, einer Breite von 1,6 km und einer Tiefe von entweder 213 oder 325 m beinhaltet Loch Ness Großbritanniens größte Süßwassermasse. Dank des umstrittenen Monsters "Nessie" (wir haben es während vier Besuchen nie zu sehen bekommen!) dürfte es außerdem einer der bekanntesten Seen der Weit sein. Loch Ness liegt im sog. Great Glen, einem gewaltigen Grabenbruch, an dem sich die Landmassen Nordwest- und Südostschottlands gegeneinander verschoben haben.
In Drumnadrochit am Westufer buhlen gleich zwei Nessie-Austellungen um die Gunst der Touristen. Die "official exhibition" ist die interessantere.
(siehe auch Nessie-Artikel und die Touren-Seite)
Wenige km südöstlich liegt die schöne Burgruine des Urquhart Castle, von der man einen exzellenten Blick über den See hat
(Foto siehe Burgen-Seite).

Die INSEL SKYE
Ein Ausflug zur Westküste und zur Insel Skye gehört mit zu den schwierigsten Unternehmungen, die man sich in Schottland vornehmen kann. Angeblich regnet es an der Westküste an 364 Tagen im Jahr, und deshalb ist es gar nicht so einfach diese erfolgreich zu besichtigen. Dabei ist die Landschaft dort von überwältigender Fremd­ und Schönheit
(siehe Foto links), die zerrissene Küstenlinie mit ihren ins Meer abfallenden schroffen Bergen ist ganz anders als die Küste bei Aberdeen.
Unsere Fahrt zur Insel Skye führte uns über Inverness, das Loch Ness, und dann über die A87. Die A87 alleine ist schon fast die Anreise wert. Wenn die Straße hoch über dem Loch Cluanie entlang führt, bietet sich eine bezaubernde Aussicht über eine märchenhafte Bergseenlandschaft. Kurze Zeit später, im Glen Shiel, ist man von gewaltigen Bergen umgeben, von denen die meisten über 1000m hoch sind.
Bei Dornie liegt Eilean Donan Castle, das als meistfotografierte Burg Schottlands bezeichnet wird.
Skye besitzt die spektakulärsten Gebirge Großbritanniens, hier wird ein besonders rauchiger Whisky gebrannt (Talisker), und dank Regen und Nebel soll das Wetter noch schlechter als sein Ruf sein. Dennoch ist Skye heute eines der Touristenzentren des Nordens, und auch in grauer Vorzeit war die Insel bei Wikingern, Kelten und Schotten beliebt, die um diese nebelige Insel kämpften, bevor sie 1266 endgültig an Schottland fiel. Das Schloss Dunvegan ist das letzte noch ständig bewohnte Stammschloss eines schottischen Clans, und seit mehr als 700 Jahren Stammsitz der MacLeods of MacLeod. Im Schloss, in dem heute John MacLeod, der 29. Chief und 36. Nachfahre des norwegischen König Harald des Schwarzen residiert, wird u.a. eine Feen-Fahne mit Zauberkräften ausgestellt. Auch der heutzutage wohl bekannteste schottische Name, MacDonald, stammt von Skye, wo die MacDonalds durch die Jahrhunderte ununterbrochen mit den MacLeods um die Vorherrschaft über die westlichen Inseln kämpften.
(weitere Fotos auf der Skye-Seite)

Die SHETLAND-INSELN
Die ShetlandInseln liegen auf der Scheidelinie zwischen Nordsee und Atlantik und bestehen aus ca. 100 Inseln, von denen 15 von den etwa 24000 Shetländern ständig bewohnt werden. Sie sind das krasse Gegenstück zur schottischen Westküste, da sie nur aus sanft gerundeten Hügeln bestehen und das beeindruckenste an den Shetland­Inseln das Fehlen jeden natürlichen Baumbestandes sein dürfte. Mit dem Mietwagen kann dann bequem die Gegend erkundet werden, wobei Vogel-, Robben- und Vorzeitfreunde besonders auf ihre Kosten kommen.
(weitere Fotos auf der Shetland-Seite und bei den historischen Stätten)

FAZIT
Der Artikel ist bereits derart lang geworden, dass ich es bei ein paar kurzen, abschließenden Worten bewenden lassen will: Schottland war toll, die ganze Familie würde sofort wieder einem beruflichen Aberdeen-Aufenthalt zustimmen!


Text und Fotos: Bernd Rothmann
Dieser Artikel sollte eigentlich 1994 im BEB-Mosaik erscheinen, er fiel jedoch dem Rotstift zum Opfer. 
Der erste Teil behandelt "Schottlands Ölindustrie", der zweite Teil "Leben und Freizeit in Aberdeen und Schottland"


©: www.meinschottland.de – Bernd Rothmann, Version 1, letzte Änderung am 1.10.2005