EINE KURZE GESCHICHTE SCHOTTLANDS

KELTEN UND PICTEN
Die ältesten Bewohner Schottlands waren die Kelten, die von den Römern als "Caledonier" bezeichnet wurden. Da die Römer die Kelten nie besiegen konnten, wurden 122 und 142 n.Chr. zum Schutz des südlichen Britanniens der Hadrianswall und der Wall des Antonius Pius errichtet.
In der Gegend um Aberdeen waren zuerst der keltische Volkstamm der Picten heimisch, die eine große Anzahl von Gedenksteinen (Pictensteine,
Foto links) errichtete. Um 500 wanderten von Irland aus die ebenfalls keltischen Scoten zu. Der irische Mönch St. Columba verbreitete ca. 50 Jahre später unter ihnen das Christentum, aber erst im 8.Jahrhundert unterwarf sich Pictenkönig Nectan der römischen Kirche. 844 wurden das Picten- und Scotenreich unter König MacAlpin zum Königreich "Alban" vereinigt, das seit Anfang des 11. Jahrhunderts 'Scotia" (Schottland) heißt.
Begünstigt durch die weitgehend bergige Landschaft behielten die alten Clans stets eine gewisse Unabhängigkeit und bekriegten sich selbst und den jeweiligen König nahezu unablässig. Hinzu kamen Überfälle der Wikinger, kurzum, die frühe Geschichte Schottlands war nicht weniger blutig als die spätere. Innerhalb von 100 Jahren wurden 7 Könige ermordet.

MACBETH
So brachte 1040 Feldherr Macbeth den König Duncan um, regierte 17 Jahre lang in Frieden und wurde dann von Duncans Sohn Malcolm Ill. getötet, der die kultiviertere, englische Lebensweise in Schottland einführte. Denn inzwischen waren 1066 die Normannen in England eingedrungen, woraufhin viele Angelsachsen nach Schottland flohen. Sie wurden vor allem im Süden Schottlands, in den Lowlands heimisch; die Hochländer behielten die alten, keltischen Clansitten bei.
Als David I. eine englische Adlige heiratete, wurde Schottland um 1150 ein Feudalstaat nach normannischem Vorbild, Edinburgh wurde Hauptsitz des Königs
(Foto unten: Burg Edinburgh).

WILLLIAM the LION
William
(Wilhelm der Löwe) griff 1173 das englische Königreich an, wurde aber gefangen genommen, später wieder freigelassen und erhielt Schottland als Lehen vom englischen König zurück. Seitdem war Schottland ständig mehr oder weniger von England abhängig.
Alexander II.
versuchte 1216 vergeblich mit französischer Unterstützung England erneut anzugreifen, wurde aber besiegt und musste erneut den Lehenseid schwören.
Alexander Ill. besiegte 1263 den norwegischen Wikingerkönig Hakon und eroberte dabei die Hebriden und die Insel Man zurück. Er starb 1286 als letzter der MacAlpines kinderlos. Der englische König wurde zum Verwalter Schottlands berufen, und 1292 bestieg John Baliol, ein Nachfahre Williams des Löwen, den schottischen Thron und erklärte England erneut den Krieg, wieder mit Unterstützung Frankreichs. Aber auch dieser Versuch schlug fehl, und seitdem wurde Schottland von englischen Statthaltern regiert.
William Wallace (Braveheart) hatte seit 1297 durch zahlreiche Überfälle auf englisches Gebiet Reden von sich gemacht; er schlug am 11.9.1297 eine überlegene englische Streitmacht an der Brücke von Stirling. 1298 wurde er von den Schotten zum Ritter geschlagen und zum Gouverneur Schottlands gemacht. Aber auch er konnte nicht verhindern, dass der englische König Edward den größten Teil Schottlands zurückeroberte. Später wurde Wallace von den Engländern gefangen genommen und 1305 in London brutal hingerichtet.
links Foto des Wallace Monuments bei Stirling
unten das Standbild von Robert, ebenfalls bei Stirling 

ROBERT the BRUCE
Daraufhin versuchte Robert the Bruce, ein weiterer Nachkomme Williams des Löwen, die Engländer zu vertreiben. Er wurde 1306 als Robert I. von den Schotten zum König gekrönt und schlug die Engländer 1314 vernichtend in der Schlacht von Bannockburn, in der 6000 schottische Soldaten 17000 Engländer daran hinderten, die belagerte Burg Stirling (Foto links) zu befreien. Durch diese Schlacht wurde Stirling wieder schottisch und die schottische Unabhängigkeit für die nächsten 400 Jahre zurückerobert. 1327/28 wurde ein Friedensvertrag mit England geschlossen.
Aber nach Roberts Tod kam es zu starken Auseinandersetzungen um seine Nachfolge. Sein Sohn David II. war erst vier Jahre alt und das Land wurde vom Earl von Mar verwaltet. Viele Clans waren damit nicht einverstanden, und Edward Baliol wurde mit Unterstützung der Engländer als Gegenkönig eingesetzt. Blutige Kriege folgten und David II. musste nach Frankreich ins Exil. Er kehrte 1342 nach Schottland zurück, und weil Edward Baliol sich als unfähig erwiesen hatte, erhielt David die schottische Krone vom englischen König unter der Bedingung zurück, dass er im Falle seines kinderlosen Todes einen Engländer zum Thronerben machte. Er starb tatsächlich kinderlos, aber die schottischen Fürsten hielten sich nicht an Davids Abmachung und setzten Robert II., einen Enkel Robert Bruces auf den Thron. Die Bruce-Familie hatte inzwischen den Namen Steward angenommen, was eigentlich „Reichsverwalter“ bedeutet. Dieser Name wurde im Laufe der Zeit in Stuart abgewandelt. Robert II. und Robert III. hatten ununterbrochen Kriege mit England auszufechten, gleichzeitig fanden blutige Auseinandersetzungen unter den schottischen Clans statt, bei denen einige völlig ausgerottet worden. Trotzdem erlebte Schottland in dieser kriegerischen Zeit aber auch eine gewisse wirtschaftliche und kulturelle Blüte; zahlreiche Universitäten, z.B. 1494 die von Aberdeen, wurden gegründet.
Das mächtige Haus Douglas erhob sich gegen die Stuarts, und als König James IV. 1513 bei der Schlacht von Flodden den Tod gefunden hatte, setzten die Douglas den Duke von Albany als Gegenkönig gegen den erst zweijährigen James V. und seinen Reichsverweser, den Earl von Angus, ein. Erst 1528 konnte James V. den Thron Schottlands besteigen und den Douglas die Stirn bieten.
Nach zahlreichen Kämpfen gegen England und Auseinandersetzungen mit der Kirche starb er 1542, und da seine Tochter Maria Stuart wiederum noch minderwertig war, wurde Schotland erneut von "Regenten" regiert.  

MARIA STUART
Maria Stuart
wurde 1558 mit dem französischen Kronprinzen vermählt, und nahm dabei nicht nur den schottischen, sondem auch den englischen Königstitel an. Im Falle ihres kinderlosen Todes wäre die Krone Schottlands dem französischen Königshaus zugefallen.
1555 war von John Knox die presbyterianische, reformierte Kirche gegründet und 1560, unterstützt durch Elisabeth I. von England, die Reformation eingeführt worden. Kirchen und Klöster worden geplündert, überall im Land herrschte bittere Armut. Der puritanisch-protestantische Widerstandsbund wurde als "Covenant" bezeichnet. Als Maria Stuart 1561 als 18jährige Witwe nach Schottland zurückkehrte, musste sie die Leitung des Staates den Protestanten überlassen. Ihr zweiter Ehemann, Lord Darnley, war aber überzeugter Katholik, und die Folge waren erneute innere Unruhen. Als Maria schließlich den mutmaßlichen Mörder ihres Mannes, einen Protestanten heiratete, wurde sie vom schottischen Adel verhaftet und musste den Thron ihrem minderjährigen Sohn überlassen. Sie stellte ein Heer zusammen, wurde aber geschlagen und floh nach England zu Elisabeth. Nach 19jähriger Haft wurde Maria 1587 im Londoner Tower enthauptet.
Schottland versank mittlerweile im Chaos der Religionskriege und Clanfeden. Elisabeth I. schloss 1586 mit James VI., dem Sohn Maria Stuarts, ein Bündnis, um die protestantische Kirche in England und Schottland zu schützen. Da die Stuarts verwandschaftliche Beziehungen zu Heinrich III. hatten, setzte Elisabeth James auch als englischen Thronfolger ein. James Vl. von Schottland bestieg also nach Elisabeths Tod 1603 als James I. den Thron von England und der schottische Hofstaat zog von Edinburgh nach London um. James gewährte beiden Ländern aber weiterhin eigenständige Verwaltungen. Sein Sohn Charles I. setzte diese Politik zwar fort, versuchte aber, die katholische Kirche wieder einzuführen. Die schottischen Protestanten verbündeten sich daraufhin mit den englischen Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell, und Charles I. wurde 1649 hingerichtet. Cromwell marschierte sofort nach Schottland und zwang dem Land eine elf Jahre dauernde Militärherrschaft auf.
Charles II. führte nach dem Tode Cromwells das Königstum des Hauses Stuart wieder ein. Sein Nachfolger James II., sein Bruder, versuchte die katholische Kirche wieder zu etablieren und ließ in der 'gIorreichen Revolution" unzählige "Covenanters" (schottische Protestanten) hinrichten. James Il. wurde vertrieben und durch seinen protestantischen Neffen Wilhelm von Oranien ersetzt, und nun wurden die Katholiken verfolgt.
Die Hochland-Clans waren den Stuarts immer treu geblieben. James II., auf deutsch Jakob, war der letzte Stuart-König, und seine Anhänger in Schottland wurden als Jakobiten bezeichnet. William III. versuchte mit aller Härte, auch von den Jakobiten den Treueid zu erzwingen. Dabei kam es u.a. 1692 zum Massaker von Glencoe, bei dem Campell-Truppen, die die Gastfreundschaft der MacDonalds genossen, in der Nacht einen Teil des schlafenden MacDonald Clan ermordeten.
(Foto links: das Tal von Glencoe)

GROSSBRITANNIEN
Unter Königin Anne kam es 1702 erneut zur Krise; das armutsgeplagte Schottland forderte mehr freie Handelsrechte und drohte erneut einen Gegenkönig einzusetzen. Durch Bestechungen in großem Stile konnten die Engländer die Mehrheit des schottischen Parlaments dazu gewinnen, 1707 einer Union zuzustimmen, woraufhin Großbritannien gegründet wurde.  

JAKOBITENAUFSTÄNDE
Da Queen Anne kinderlos blieb, sollte Georg I., ein Nachkomme der Tochter von James I. aus dem deutschen Haus Hannover, ihr Nachfolger werden. Die stuartreuen, katholischen Highland-Clans (Jakobiten) versuchten deshalb erneut, einen schottischen König an die Macht zu bringen. Im ersten Jakobiteraufstand von 1715 misslang ihnen das mit James III. ("Old Pretender"), der nach Frankreich zurück fliehen musste. Auch der Versuch seines Sohnes, Prince Charles Edward ("Bonnie Prince Charlie") schlug 1745/46 fehl. Prinz Charles gelang es mehrfach, die Engländer in kleineren Schlachten zu schlagen. Perth und Edinburgh wurden erobert, und sein Heer marschierte sogar bis nach Derby, 200 km vor London. Da aber die verabredete Unterstützung der Franzosen und Nordengländer ausblieb, musste Prinz Charles sich wieder zurückziehen. Dies alles brachte ihm im Hochland eine ungeheure Popularität ein. 
Die alles entscheidende Schlacht bei Culloden jedoch gewannen 1746 die Engländer unter Führung des Herzogs von Cumberland, dem Sohn des regierenden Georg II. 9000 Tieflandschotten und Engländer richteten ein furchtbares Blutbad unter den 5000 Jakobiten und an der Zivilbevölkerung an, was Cumberland den Beinamen "Schlächter" einbrachte
(links einer der vielen Gedenksteine auf dem Schlachtfeld). Bonnie Prinz Charlie konnte in einer 6-monatigen Flucht nach Frankreich entkommen, versank dort aber in Bedeutungslosigkeit.
In der Folge wurden den Hochland-Schotten von Georg II. zahlreiche Beschränkungen auferlegt. Die Hochlandverfassung wurde aufgehoben, Kilt, Tartans und Dudelsäcke wurden verboten, Länder enteignet. Eine große Emigrationswelle nach Kanada und Australien setzte ein. Ein weiterer, erzwungener Exodus der Hochlandschotten setzte Anfang des 19. Jahrhunderts ein, als im Hochland Schafzucht mit extensiver Weidewirtschaft eingeführt wurde, und die Kleinbauern ("Crofters") von den Großgrundbesitzern brutal vertrieben wurden.
Dies geschah z.T. während die Männer in den Napoleonischen Kriegen kämpften, und außerdem waren die Besitzrechte der Kleinbauern traditionsgemäß nur mündlich festgelegt worden. Zwischen 1750 und 1850 wurden so ca. zwei Drittel der Hochlandbevölkerung an die Küste um- oder in die englischen Kolonien zwangsausgesiedelt. Die große Einsamkeit und Menschenleere des schottischen Hochlands ist also keineswegs natürlichen Ursprungs.

Blickt man also über die schottische Geschichte zurück, so kann es nicht verwundern, dass sich jeder Schotte energisch dagegen verwehrt, als Engländer bezeichnet zu werden, was as Beleidigung angesehen wird. Ein Schotte ist Schotte, politisch bedingt auch Brite, aber niemals Engländer.


©: www.meinschottland.de – Bernd Rothmann, Version 1, letzte Änderung am 23.2.2006