Touren in Schottland

BRIDGE of FEUGH
Bei Banchorie mündet der Feugh in den Dee, und kurz vor der Mündung liegen eindrucksvolle Stromschnellen, die von einer Brücke überspannt werden. Von Februar bis September wandern Atlantische Lachse aus dem Meer die schottischen Flüsse hinauf, und von der Bridge of Feugh ist dieses Spektakel mit etwas Glück gut zu beobachten. Von Oktober bis Januar laichen die Lachse in kiesigen Bächen und Flüssen, wobei je nach Fischgröße zwischen 5000 und 8000 Eier abgelegt werden. Danach wandern sie wieder flussabwärts; einige Männchen bleiben aber immer zurück und überwintern in den Bächen. Die jungen Lachse schlüpfen im Frühjahr ("fry"). Davon überleben um etwa 10 % ("parr") und bleiben 2 bis 3 Jahre im Bach. Die dann silberfarbenen Fische ("smolts") wandern im Mai und Juni ins Meer. Dort teilen sie sich auf, ein Teil schwimmt ins offene Meer, der andere Teil bleibt in Küstennähe und kehrt bereits im nächsten Sommer wieder ins Süßwasser zurück ("grilse"). Alle anderen Lachse bleiben länger als einen Winter im Meer, z.B. an der Südostküste Grönlands, und kehren erst als ausgewachsene, bis zu 80 Pfund schwere Lachse ("springers") in die Bäche zurück, in denen sie geschlüpft sind.

GLEN CLOVA
Nördlich von Kirrimuir. Die Einfahrt ins Glen Clova führt durch eine liebliche, allgäu­ähnliche Landschaft. Auf der Südwestseite des mittleren Tales liegen drei Lochs in etwa 700 m Höhe, die von Steilwänden umschlossen sind. Die Tour auf den Bett Tirran und zum Loch Wharral sind weiter oben beschrieben. Wenn man weiter in das Tal hineinfährt wird die Landschaft fast alpin, mit steil anfragenden Bergen und schroffen Felsen. Das Tal teilt sich bei Achtun; man kann dem Lauf des South Esk auf bequemem Fahrweg folgen, dann ohne sichtbaren Pfad querfeldein durch den Einschnitt Den of Altduthrie (740 m, anfangs sehr steil und mühsam) zum Glen Doll überwechseln und auf Jocks Road, einem steinigen, ehemaligen Whisky-Schmugglerpfad durch das Caenlochan Reservat wieder zum Ausgangspunkt, dem Glendoll Lodge zurückkehren. Gesamtweg 14,5 km bei 480 m Höhenunterschied; wir benötigten knappe fünf Stunden für die Tour. Fast 4 Stunden müssen für Hin- und Rückfahrt von Aberdeen mit dem Auto eingerechnet werden. Vom höchsten Punkt des Den of Altduthrie kann man in etwa 1/2 Stunden mühsam auf den 839 m hohen Cairn Damff (gälisch damh = Hirsch) steigen, der einen schönen Rundumblick, u.a. zum Tal des Loch Muick bietet. Der Berg müsste eigentlich ein Corbett sein, ist aber in der Liste nicht enthalten. Gesamtstrecke mit Cairn Damff 15,5 km, Höhenunterschied 580 m.

GLEN ESK 
Sanftes Tal nordwestlich von Fettercairn, in dessen hinterem Teil Loch Lee
(Foto links bei absoluter Windstille) liegt. Vom Parkplatz aus geht ein Fahrweg an der Ruine eines alten Wohnturms, dem Invermark Castle (siehe Castles), zum See, an diesem vorbei und ins hinterste Tal, das von eindrucksvollen Steilwänden umschlossen ist. Ein wunderschöner Wanderpfad führt von dort ohne wesentliche Mühen an den Unich und Damff Wasserfällen vorbei auf eine weite Hochebene. Von dort führt der Weg über den Cairn Lick (682 m, gälisch leac = steiniger Abhang) wieder zum See hinunter. Für die gesamte 17,4 km lange Runde benötigten wir nahezu 5 Stunden bei 430 m Höhenunterschied. Für die Anfahrt sind etwa 1 1/4 Stunden pro Strecke von Aberdeen zu veranschlagen. Der o.g. Parkplatz ist auch Ausgangspunkt für eine relativ leichte, 2 1/2 stündige Wanderung auf den Mount Keen (939 m), der eine berauschende Aussicht bietet.  

LOCH MUICK und Umgebung
Um das malerische, in 400 m Höhe liegende Loch Muick (sprich "Mick", gälisch für Schwein) führt ein Rundweg herum, der in ca. 3 Stunden zu bewältigen ist und keine wesentlichen Höhenunterschiede überwindet. Im Norden des Lochs liegt der Lochnagar; diese ca. 7 stündige Bergtour ist bei den Bergtouren beschrieben. Vom Westende geht ein relativ bequemer Weg am Buidhe Wasserfall vorbei zum 240 m höher liegenden Dubh Loch (gälisch dubh = dunkel), in dem ein Ungeheuer (water kelpie) hausen soll. Für Hin und Rückweg vom Spittal of Glenmuick benötigten wir 5 1/2 Stunden. Am Dubh Loch vorbei kann man von hinten den Cairn Bannoch (1012 m) besteigen, und dann über den Cairn of Gowal (983 m), den Broad Cairn (998 m) und den Sattel südlich des Loch Miaick zur Mitte dieses Lochs zurück. 
Ich schätze, daß diese Tour bei 610 m Höhenunterschied mindestens 8 Stunden erfordert. Im März 93 machte ich eine kürzere Tour vom Loch Muick direkt auf den Broad Cairn und den Creag an Dubh Loch, für die ich auch 7,5 Stunden benötigte.
(Die Fotos links zeigen Loch Muick oben mit dem Weg vom Dubh Loch und unten vom Broad Cairn)


 oben links: Damwild beim Loch Muick 
 links: Dubh Loch 
 oben: der Glas Allt-Wasserfall 

LOCH TAY und Umgebung
Loch Tay und seine Umgebung gehören mit Sicherheit nicht mehr zum Nordosten Schottlands, ist aber in etwa 2 bis 3 Stunden Autofahrt von Aberdeen aus zu erreichen. In Fortingall nahe dem Loch Tay stand 1992 auf dem Friedhof eine 3000- jährige Eibe, die als ältester Baum Europas bezeichnet wurde. Im Loch Tay wurde 1992 eines von 21 Crannogs, d.h. große Rundhäuser aus der Eisenzeit, ausgegraben, die ehemals auf Holzpfählen im flachen Uferwasser standen. Vom Nordufer des Sees erhebt sich das gewaltige Massiv des Ben Lawers (1214 m), zu dem drei Berge gehören, die höher als 1000 m sind. Da diese Gipfel aus den Gletschern der Eiszeit herausragten und nicht abgetragen wurden, ist die Hochgebirgsflora dort sehr ausgefallen. Hinter diesem Gebirge liegt das Glen Lyon, das als längstes Tal Schottlands bezeichnet wird und eine sehr blutige Geschichte hat. So gibt es z.B. einen sog. Sandalenstein, an dem die Krieger vor jeder Aktion ihre Sandalen abstellten. Anhand der später nicht abgeholten Schuhe konnte man leicht die Verluste abzählen. Abgesehen davon zeichnet sich das Tal durch erstaunlich viel uralten Baumbestand und Wasserfälle aus. Eine kleine Straße verbindet Glen Lyon mit dem westlichen Loch Tay. Diese führt durch eine sehr schöne Hochlandlandschaft. Von dieser Straße aus ist der Ben Lawers am leichtesten zu ersteigen (ca. 3 Stunden).

LOCH NESS
Mit einer Länge von ca. 35 km, einer Breite von 1,6 km und einer Tiefe von entweder 213 oder 325 m beinhaltet Loch Ness Großbritanniens größte Süßwassermasse. Dank des umstrittenen Monsters "Nessie" dürfte es außerdem einer der bekanntesten Seen der Welt sein. (siehe meinen Artikel über "Nessie"). Loch Ness liegt im sog. Great Glen, einem gewaltigen Grabenbruch, an dem sich die Landmassen Nordwest- und Südostschottlands gegeneinander verschoben haben. Die Wissenschaftler streiten noch, ob es sich dabei um einige zehn oder einige hundert km Verschiebung handelt, und auch die Richtung ist nicht eindeutig klar. 


 

Im Norden, von Inverness kommend, fährt man auf der A82 zuerst am River Ness und dem Caledonischen Kanal vorbei. Der Kanal wurde 1801 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen von Telford gebaut und liegt z.B. am Seeausgang einen Meter höher als der Fluss. Mit 29 Schleusen verbindet er die im 100 km langen Great Glen liegenden vier Lochs Ness, Oich, Lochy und Linnhe und außerdem die Ost- und Westküste Schottlands. Einer der schönsten Aussichtspunkte liegt direkt hinter Lochend an der A 82. Ansonsten ist nämlich der Blick auf den See meist durch Bäume verstellt. In Drunmadrochit am Westufer buhlen gleich zwei Nessie-Austellungen um die Gunst der Touristen. Die "official exhibition" war 1992 die interessantere. 
  Wenige km südöstlich liegt die schöne Burgruine des Urquhart Castle
(Foto links), von der man einen exzellenten Blick über den See hat (s. Kapitel "Burgen"). Östlich von Fort Augustus am Südende des Sees bietet sich ein weiterer schöner Überblick über die gesamte Länge des Sees. Die Straße (B 852) führt bald steil bergauf in ein interessantes Hochlandszenario und bei Foyers wieder an das Ostufer des Lochs. Den Wasserfall von Foyers sollte man sich unbedingt ansehen, ansonsten ist das Ostufer ohne besonderen Reiz.

GLEN COE
An der Westküste, südlich von Port William, liegt Glen Coe. Das Tal selbst ist ausgesprochen beeindruckend mit seinen schroffen Bergen und engen Seitentälern, und war vor 300 Jahren Schauplatz des berüchtigsten Massakers in der Geschichte Schottlands. Zum 1.Januar 1692 sollten die stuarttreuen Hochlandclans König William III. den Treueeid schwören. 
Die MacDonalds von Glen Coe hatten dies aus verschiedensten Gründen zu spät getan und wurden deshalb exemplarisch bestraft. 120 englische Soldaten, angeführt von einem mit den MacDonalds verfeindeten Campbell waren 12 Tage lang als Gäste der MacDonalds bewirtet worden, während sie auf ihren Einsatzbefehl warteten. Als dieser am 13.2.1692 eintraf, töteten sie 38 MacDonalds im Schlaf, die meisten konnten jedoch in die Berge entkommen, wo aber wiederum viele Flüchtlinge im Schneesturm erfroren.
  


in Schottland allgegenwärtig: Rinder und Schafe
heute nur noch in Ausnahmefällen zu sehen:
die gute alte rote Telefonzelle

©: www.meinschottland.de – Bernd Rothmann, Version 1, letzte Änderung am 12.10.2005