STÄDTE UND ORTE IN SCHOTTLAND

Grampian

ABERDEEN

(bretonisch aber = Flussmündung, deen = Don oder Dee?) Ursprünglich gab es zwei Aberdeens. Dem Aberdeen am Don wurde bereits im 12.Jahrhundert als erstem schot- tischen Ort Stadtrechte verliehen (Royal Burgh) und es wurde Bischofssitz. 
Das zweite Aberdeen am Dee war immer ein bedeutsamer Hafen
(siehe links). 1890 wurden beide Aberdeens vereinigt. 1967 erfolgte Aberdeens Einstieg ins Ölgeschäft.  

Universitätsgebäude
1494 wurde in Aberdeen am Don die Universität "King's College" gegründet, der Turm mit seiner charakteristische Haube wurde 1633 erneuert. Das andere Aberdeen zog 1593 mit dem Marischall College nach. Das heutige Universitätsgebäude stammt allerdings von 1844 und erhielt erst 1906 seine 125m lange Fassade im Perpendicular-Stil. Zusammen mit dem 80 m hohen Mitchell-Turm und der Greyfriars Kirche ist das College nach dem Escorial in Madrid des zweitgrößte Granitgebäude der Welt.

Kirchen
Die St. Nicholas Kirche wurde auf Resten älterer Kirchen und Kapellen gebaut und zuletzt im 17. und 18.Jahrhundert erneuert. Man unterscheidet zwischen der Ost- und Westkirche. St. Mary (Huntly Street) wurde 1860 erbaut. St. Machar's Cathedral wurde zuerst von den Normannen gebaut, später zerstört und im 13./14.Jahrhundert durch eine kleine Kirche ersetzt, die im 15.Jahrhundert erheblich vergrößert wurde und ihr jetziges Aussehen erhielt. 1688 fiel der große Glockenturm in sich zusammen und zerstörte große Teile der Kirche. Trotz zahlreicher Reparaturen blieb das Querschiff eine Ruine. Die Eichenholzdecke im Innern stammt aus dem 16.Jahrhundert.

Granit-City
Die typische Granit-City im Bereich der Union und King Street entstand 1802-1820, u.a. die Music-Hall von 1820. Das Rathaus (Town House, Turm unten) wurde 1868 bis 1874 im sog. schottischen Baronialstil gebaut. 

Sonstiges
Das Mercat-Kreuz nahe dem Rathaus wurde 1686 errichtet und 1821 und 1842 erneuert. Die "Auld Brig o'Balgownie" stammt aus dem frühen 14.Jahrhundert und überspannt den Don, die "Auld Brig o'Dee" wurde 1527 fertig gestellt und 1718 und 1842 restauriert.

Highland Games
Die Highland Games fanden 1992 im Hazelhead Park statt. Neben den "klassischen" Hochland-Sportarten (siehe unten) standen auch normale Leichtathletik und Radrennen (auf Rasen) auf dem Programm. Außerdem fanden Wettkämpfe der Pipe und Drum Bands, einzelner Dudelsackspieler und der Volkstänzer statt. Das Ganze war von einem Jahrmarkt mit Buden und Karussels umgeben. Mittelpunkt der Spiele waren die "Heavies", die Schwergewichtler, die Baumstämme um sich werfen, Findlinge stoßen und Hämmer und dicke Eisengewichte (Foto links) werfen. Dabei müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Beim Baumstamm-Werfen (tossing of the caber, Fotos unten) muss der Baumstamm zuerst senkrecht in den Händen getragen und ausballanciert und dann im hohen Bogen geworfen werden. Er soll auf der Spitze aufkommen, sich einmal überschlagen und muss in gerader 12 Uhr-Linie vom Werfer zur Ruhe kommen; jeder schräg liegende Stamm ist ungültig.  
Tossing the Caber


Aberdeen im Frühjahr: ein Meer von Blüten, das der Bezeichnung "graue Stadt" widerspricht.
Aberdeen im Winter: da ist der Dee auch schon mal zugefroren


eines der typischen Häuser in Aberdeen (halb Schloß, halb Herrenhaus): der Shell-Pecten-Club
und Aberdeens Leuchtturm: Girdle Ness 

FETTERCAIRN
(gälisch fothair = Abhang, bretonisch carden = Wald) Macbeths Kopf wurde zu König Malcolm in Burg Fettercaim gebracht. In Fettercairn befindet sich eine der ältesten Whisky-Brennereien Schottlands.

ABOYNE
(gälisch ath = Fort, bo = Vieh, fionn = weiß; an anderer Stelle als „Platz des gekräuselten Wassers" übersetzt) Das Auffälligste an Aboyne dürfte der zentrale Rasenplatz von 1676 sein, auf dem U.a. die alljährlichen Abyone Highland Games und Wettbewerbe der Schottischen Pipe und Drum Bands abgehalten werden.

BRAEMAR
(gälisch braighe = oberer Teil, der Grafschaft Mar) Die Hochlandspiele (s. Aberdeen) von Braemar, die sog. 'Braemar gatherings" sind weltbekannt, wohl vor allem weil die königliche Familie als Zuschauer mitwirkt. Man sagt die Spiele seien im 10. Jahrhundert von König Kenneth II. eingeführt worden.

 

übriges Schottland

INVERNESS
(gälisch = Mündung des Ness) wird mit seinen 50 000 Einwohnern als Hauptstadt der Highlands bezeichnet. Bereits 1158 erhielt der Ort von König David die Stadtrechte als Royal Burgh. Hauptsächlich aus Zeitmangel, aber auch weil die Stadt bei unseren mehrfachen Durchfahrten ausgesprochen uninteressant wirkte, haben wir Inverness nie besichtigt. Anne und Adam waren 2004 mal da.
Inverness Castle wurde 1833-36 gebaut und dient heute als Gerichtsgebäude. Nur der Turm ist zu besichtigen.
links Innenstadt, ganz links Inverness Castle (Fotos:  Anne Rothmann)

Nahe Inverness liegt das berühmte Schlachtfeld von Culloden im Drumossie Moor, das wohl als eines der bedeutensten Nationalheiligtümer Schottlands bezeichnet werden kann. Aber außer einem kleinen Stück Heideland mit zahlreichen Gedenksteinen und einem Informationszentrum ist eigentlich nicht viel zu sehen. Im I8. Jahrhundert versuchten die stuarttreuen, katholischen Highland Clans (Jakobiten) einen schottischen König an die Macht zu bringen. Prinz Charles Edward ("Bonnie Prince Charlie") gelang es mehrfach, die Engländer in kleineren Schlachten zu schlagen und mit seinem schottischen Heer bis nach Derby, 200 km vor London zu ziehen. Da aber die verabredete Unterstützung der Franzosen und Nordengländer ausblieb, begann ein ermüdender Rückzug, und die alles entscheidende Schlacht bei Culloden gewannen 1746 die Engländer unter Führung des Herzogs von Cumberland, dem Sohn des englischen Königs. 9000 Tieflandschotten und Engländer richteten ein furchtbares Blutbad unter den 5000 Jakobiten und an der Zivilbevölkerung an, was Cumberland den Beinamen "Schlächter" einbrachte. Bonnie Prinz Charlie konnte in einer 6-monatigen Flucht nach Frankreich entkommen, versank dort aber in Bedeutungslosigkeit.  

links und rechts je einer der vielen Gedenksteine auf dem Schlachtfeld, in diesem Fall für "mixed clans"
und "Clan Stewart of Appin"; Mitte: Mausoleum von Culloden

EDINBURGH
Edinburgh (gälisch dun eideann = Burg am Hang, 430 000 Einwohner) ist seit dem 15. Jahrhundert Schottlands Hauptstadt und ein Muss für jeden Schottland-Besucher, und vermutlich ist ein Tag (von Aberdeen aus) zu kurz, um alle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Edinburgh erstreckt sich über drei vulkanische Hügel, und der Zentralpunkt der Stadt ist natürlich der Burgberg mit Edinburgh Castle (Foto links). Der Legende nach bauten bereits die Pikten hier im 5. Jahrhundert die Burg "Dunedin", die ältesten Teile der heutigen Burg stammen aus dem 11. Jahrhundert, u.a. die Margaret-Kapelle von 1093. Im 12. Jahrh. erhielt die Stadt um den Burgberg Stadtrechte, eine zweite Stadt (Canongate) entstand um die damalige Abtei Holyrood (altengl. Heiliges Kreuz).

Geschäfte an der Royal Mile

Die Royal Mile, ein mittelalterlicher Straßenzug, führt vom Edinburgh Castle durch die Altstadt zum Schloss Holyrood-House (16. & 17. Jahrh.). Dort residiert die Königin, wenn sie sich in Edinburgh aufhält, aber dort hat auch schon Maria Stuart gewohnt. Neben den zahlreichen alten Häusern, Museen und Kirchen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert an der Royal Mile sollte man unbedingt den kleinen Durchgängen Beachtung schenken, die in malerische Hinterhöfe (closes) führen. Im 18. Jahrhundert war Edinburgh sowohl für seine "Hochhäuser" bekannt, die normalerweise 8, manchmal aber bis zu 15 Stockwerke aufwiesen, aber auch für die katastrophalen, hygienischen Bedingungen in der derart übervölkerten Altstadt vor ihrer Sanierung. Von den erhaltenen Gebäuden sind besonders die St. Giles Kathedrale und das John Knox House (beide 15.Jahrh.) erwähnenswert.
Durch einen trockengelegten See, in dem sich jetzt die Princess Street, Gärten und die Eisenbahn befinden, sind Burgberg und Altstadt von der georgianischen Neustadt
(Foto links) getrennt, die inzwischen auch schon 230 Jahre alt ist. Hier befinden sich klotzige Hotels, Banken und Kaufhäuser. Die Neustadt ist ein Musterbeispiel für Stadtplanung ihrer Zeit. Die Princess Street ist Edinburghs Haupt-Einkaufsstraße, und an ihr steht auch das auffällige Denkmal (1844) des Dichters Sir Walter Scott, das wie eine gotische Kirchturmspitze aussieht.
Im Osten der Princess Street liegt der Calton Hill mit Observatorium, Nelsonsäule und einer nie vollendeten Denkmalsanlage von 1824, die für die Soldaten der Napoleonischen Kriege begonnen wurde.  


Nördlich von Edinburgh, am Ufer des Firth of Forth, liegt South Queensferry, ein sehenswertes Fischerdorf, von dem man einen guten Blick auf die beiden 50 m hohen Forth-Brücken hat. Die originelle Eisenbahnbrücke (Foto links oben) stammt von 1890, Es wurden 50.000 Tonnen Stahlträger verbaut, dabei verloren 58 Arbeiter ihr Leben, und es dauert drei Jahre, um die Brücke zu anzustreichen.  
Die Straßenbrücke von 1964 war bei ihrer Einweihung die größte Hängebrücke Europas (Foto links unten).
 

Foto unten 2005: Jörn Bengelsdorf 

©: www.meinschottland.de – Bernd Rothmann, Version 1, letzte Änderung am 23.2.2006